Nachfolgend ein Zusammenzug über den Gesundheitszustand der Berner Wald- und Holzbranche in Zeiten von Covid-19 – beurteilt von den einzelnen Verbänden:

Berner Waldbesitzer (BWB)
Aufgrund der Covid-19 Auswirkungen sehen sich die Waldbesitzer mit einem stark eingeschränkten Holzmarkt konfrontiert. Die trockene Witterung vom März/April lässt zudem ein Worst-Case Szenario bei der Borkenkäferentwicklung befürchten. Gemäss einer Umfrage des BWB erwarten die Waldbesitzer noch mehr Käferholz als im Vorjahr. Gesicherter Absatz besteht aktuell für rund 15% der erwarteten Käferholzmenge.

Ohne Holzabsatz muss für die Ergreifung der Forstschutzmassnahmen im Kanton Bern mit Kosten von 10 bis 40 Mio. Franken gerechnet werden. Werden die Massnahmen nicht rechtzeitig ergriffen, kann es zu einer unkontrollierten Verbreitung des Borkenkäfers und einem grossflächigen Absterben der Fichte kommen.

Holzbau Schweiz, Sektionen Bern und Berner Oberland
Die Holzbaubetriebe konnten mit Auflagen während der Covid-19 Krise weiterarbeiten. Da die Branche stark im Inland einkauft, war auch die Materialverfügbarkeit zu einem grossen Teil gewährleistet. Schwieriger ist die Situation bei Projekten, die kurz vor der Ausführung stehen oder auch behördliche Prozesse wie Baugenehmigungen oder ähnliches zum Start brauchen. Diese Projekte sind blockiert. Auch auf Kundenseite kann gesagt werden, dass Investitionen, die noch nicht definitiv gesprochen wurden, im Moment teils blockiert sind oder nicht ausgelöst werden. Einige Betriebe haben für Teile ihrer Betriebe Kurzarbeit beantragt und zum Teil zur Überbrückung auf Covid-19 Kredite zurückgegriffen. Es kam auch zu einigen wenigen Entlassungen.

Obwohl einige Projekte zurückgestellt wurden, dürfen wir uns glücklich schätzen, dass der Bundesrat und das BAG die Baubranche nicht zum Stillstand/Lockdown gezwungen hat. Die Auslastung und Auftragslage für das Jahr 2020 ist generell gut bis sehr gut, trotz Corona-Krise. Mittelfristig muss jedoch mit einer rückläufigen Auftragslage gerechnet werden, speziell im Berner Oberland, welches stark vom Tourismus abhängig ist.

Holzindustrie Schweiz
Die Schweizer Holzindustrie ist von der Corona-Pandemie direkt betroffen. Obwohl Holz auch in der Krise für Baumaterial, Verpackungen oder als Energieträger nachgefragt wurde und wird, bewirken die behördlich verfügten Schutzmassnahmen teilweise deutliche Einbrüche in der Nachfrage. In den ersten Wochen waren die Schliessung der Baumärkte und der Wegfall gewisser Exportkanäle (vor allem Frankreich und Italien) das grösste Problem. Jetzt sind zunehmend Verzögerungen bei Bauprojekten und Investitionsentscheiden spürbar, vor allem im privaten Sektor. Aktuell haben rund ein Drittel unserer Mitglieder Kurzarbeit und ein Viertel einen Covid-19-Kredit beantragt. Generell sind die Romandie und das Tessin von der Krise mehr betroffen als die Deutschschweiz. Auf der anderen Seite gibt es auch zahlreiche Industriebetriebe, die von der Krise profitieren. Temporäre Lieferprobleme beim grenzüberschreitenden Verkehr, aber auch eine generell wachsende Wertschätzung für regionale Verarbeitungsketten, führen (produkteabhängig) zu einer erhöhten Nachfrage.

Die weitere Entwicklung wird mit Spannung verfolgt. Ein zweiter Lockdown würde viele Betriebe in eine existenzielle Notlage bringen. Die Holzindustrie erwartet, dass in dieser Situation vor allem die öffentliche Hand ihre Verantwortung wahrnimmt und notwendige Investitionen in die Infrastruktur ohne Verzögerung tätigt.

Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM)
Die allgemeine Auftragslage im Schreinergewerbe ist sehr unterschiedlich. In den Bereichen allgemeiner Innenausbau und Fensterbau wird die Auftragslage gut bis sehr gut bewertet. Die Bereiche Handel mit Möbel und Küchen werden schlecht bis sehr schlecht bewertet. Diese Situation ist durch die Schliessung von Ausstellungen entstanden. Während den letzten zwei Monaten konnten in der Branche nur wenige bis fast keine Angebote erstellt werden. Dadurch wird mit Auftragseinbrüchen in den Monaten Juni bis August gerechnet. Die Konsumentenstimmung entwickelt sich jedoch eher positiv.

Wir gehen davon aus, dass im Verband ca. 15% der Betriebe Kurzarbeit eingeführt haben. Wie sich die aktuelle Situation entwickeln wird, kann nicht prognostiziert werden. Grundsätzlich hängt dies davon ab, wie schnell gelockert werden kann und dadurch die Schweizer Wirtschaft wieder in den Fluss kommt. Bund, Kantone und Gemeinden müssen geplante Bauprojekte antreiben, damit die Wirtschaft weiterhin angekurbelt werden kann.

Holzingenieure
Die Auftragslage bei den Holzbauingenieurbüros im Kanton Bern ist mehrheitlich gut. In den meisten Büros ist kaum ein Rückgang der Aufträge durch Corona zu verzeichnen. Hingegen gibt es einzelne Projekte in frühen Phasen, die aufgeschoben wurden. Der Druck, ausländisches Holz einzusetzen, hält nach wie vor an. Swiss Timber Engineers, der Verband der Schweizer Holzingenieure engagiert sich für den Einsatz von Schweizer Holz. Auch ruft er dazu auf, aufgeschobene Projekte im Zuge der Lockerung der Corona-Massnahmen
jetzt auszulösen.

Holzenergie
Der Bereich der Holzenergie ist nachfrage- und angebotsseitig stabil. Die Lager in den Berner Betrieben sind für die nächsten Monate gut bestückt, die Energieholzversorgung ist gewährleistet. Ohne eine zweite verschärfte Welle ist auch die Winterversorgung gewährleistet. Da der Starkholzsektor und die Papierholzindustrie während Corona spürbar eingebrochen ist, findet eine Verlagerung Richtung Energieholz statt. Dies bewirkt eine gewisse Bremswirkung auf den Absatz von minderen Sortimenten. Sind gute Sortimente zu tiefen Preisen erhältlich, werden diese aufgrund der besseren Wirkungskraft (gute Verbrennung, wenig Asche) bevorzugt. Das jährliche Potential ist ohne Übernutzung des Waldes um mindestens 40 % steigerbar. Damit auch der Absatz für mindere Qualitäten gewährleistet ist, muss der Markt für Holzenergie weiterwachsen.

Die Stabilität verdeutlicht die Resistenz der einheimischen Ressource Holz. Das Coronavirus offenbarte vielerorts die Schwächen der Globalisierung. Wer einheimische Ressourcen und Produkte von einheimischen Anbietern nutzt, ist unabhängiger und sicherer und stärkt die eigene Volkswirtschaft. Jetzt – in der ausklingenden Coronakrise – ist ein guter Zeitpunkt, den Trumpf der einheimischen und erneuerbaren Ressourcen auszuspielen. Gefordert sind alle – von der Politik über die Unternehmen bis zu den Endverbrauchern – die richtigen Lehren aus der Situation zu ziehen und regionale Kreisläufe zu stärken. Damit werden Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes resistenter gegen Störfaktoren.

Die Berner Holzbranche verfolgt auf Basis dieser Informationen folgende Kernanliegen:

1. Bauen und Heizen mit Schweizer Holz: Jetzt erst recht. Der Holzmarkt ist eingeschränkt. Jeder Kubikmeter Holz, der verbaut oder verheizt wird, generiert Wertschöpfung und wirkt sich in der Wertschöpfungskette zurück bis auf die Gesundheit unserer Wälder aus. Darum engagieren Sie sich bei öffentlichen Bauten für den Einsatz von Schweizer Holz.

2. Der Wald steht vor grossen Herausforderungen: Der Borkenkäferbefall könnte einen neuen Höchststand erreichen. Um die Käferverbreitung und das Absterben der Fichte zu verhindern, sind umgehend wirksame Massnahmen der öffentlichen Hand gefordert.

27.05.2020 / Initiative Holz Bern

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